Lo100
Ein immer noch aktueller Oldtimer
Hg
Das Original "Lo100", ab 1953 bei dem legendären Wolf Hirth
in Nabern in Lizenz gebaut, wurde vom Ing. Alfred Vogt entwickelt und
konstruiert.
Im Sudetenland geboren, nach dem Krieg zuerst nach
Peißenberg/Obb.
verschlagen, übernahm Alfred Vogt 1955 die Betriebsleitung bei
Schempp-Hirth
in Kirchheim.
Das Original
Zum Gedenken seines im Krieg gefallenen Bruders Lothar, gab er den von ihm immer genannten Zwergreiher den Namen "Lo". Die "100" steht für die 10mtr. Spannweite. Die Lo100 war bis zum Ende der 80er Jahre die dominierende Kunstflugmaschine. Sie belegte bei allen Deutschen, wie auch Weltmeisterschaften im Segelkunstflug die ersten Plätze und konnte auch nicht vom Salto oder der Pilatus-B4, selbst der Mü-28 verdrängt werden, obwohl die Mü-28 speziell für die Ablösung der Lo entwickelt und gebaut worden war. Erst die Kobuz und ihr Nachfolger die Swift konnten der Lo100 Paroli bieten und verdrängten sie von den vorderen Plätzen. Die Lo100 war somit über Jahrzehnte die Beherrscherin des Segelkunstfluges, obwohl sie in Holz und Kottonbespannung hergestellt war und die Ära der Kunststofflugzeuge längst begonnen hatte. (Es war damals die Zeit, als Kotton in Deutschland noch mit "K" geschrieben wurde.) Sie wurde wie ich mich heute noch gut erinnern kann, bei den ersten Deutschen Segelflugmeisterschaften nach dem Krieg in Oerlinghausen 1953 von Albert Falderbaum meisterhaft geflogen.
Nachdem ich seit einigen Jahren meinen, in den 40er Jahren
entstandenen Jugendtraum des Fliegens, mit dem Hobby Modellfliegen
verwirklicht
hatte, kam ich, wie es fast jeden Modellflieger immer wieder passiert,
im
Sommer 1975 rein zufällig am Flugplatz Oerlinghausen vorbei. Hier
konnte ich beobachten, wie zwei Lo100 auf Höhe geschleppt wurden
und
sie diese mit diversen Kunstflugfiguren bis zur Landung abbauten. Es
waren
der damals amtierende Deutsche- und Weltmeister Hubert Jäntsch und
der spätere Deutsche Meister im Segelkunstflug Dieter Wasserkord,
die beide Fluglehrer am dortigen Flugplatz waren und nach der Schulung
ihre Trainingsflüge absolvierten.
Das Modell
Diese faszinierenden Flüge der beiden Lo100 waren der
auslösende
Moment, um ein Modell maßstäblich 1:3 zu entwerfen
und danach zu bauen.
Die Pläne habe ich nach einem 3-Seiten-Riß, Maßstab
1:20 sowie anderen Veröffendlichungen erstellt.
Für
den Rumpf wurde im Positiv- Negativverfahren eine GFK-Form (noch heute
in meinem Besitz) erstellt. Wir waren zu dritt, als wir dieses Projekt
in angriff nahmen, sodass durch die Arbeitsteilung eine geringe Zeit
von etwa 4 Monaten ausreichten, um das erste Modell in die Luft zu
bekommen. Als Flügelprofil habe ich das damals
populäre,
auch heute noch viel verwendete "E-374" verwendet, was gegenüber
dem
Profil "Clark Y 11,6%" (am Original), eine bessere
Rückenflugeigenschaft bei einem geringeren Widerstand hat. Der
Flügel selbst, bedingt
durch
seine Größe, im Gegensatz zum Original, habe ich 2teilig in
Rippe gebaut.
Die Anzahl und Anordnung der Rippen wurden ebenfalls
maßstäblich
vom Original übernommen. Heute würde ich das Profil "HQ1,5/8"
verwenden. Denn durch die enorme Flächentiefe ergibt sich eine
ausreichende
Festigkeit. Das Profil "HQ1,5/8" habe ich später auf einer
kleineren
Lo100 verwendet, wobei es sich ganz gut bewährt
hat. Den kleinen Rumpf, im Maßstab 1:4, bezog ich von Uwe
Gewalt-Modellbau.
Die Lo100 ist kein Leistungsflugzeug, was schon die geringe Streckung
von
"Lambda 9" und der große Rumpfwiderstand verhindert. Dafür
ist
und bleibt sie aber ein ausgesprochener Kunstflugsegler. Im F.-Schlepp
auf Höhe gebracht, hat man zwar meist ein zeitlich kurzes,
dafür
aber ein eindrucksvolles Erlebnis, welches man kaum vergessen wird.
Anders
an Hängen wie in der Rhön, wenn weiträumiges Tragen
vorhanden
ist, wie auf dem Foto der WAKU am Westhang, vor einer herannahenden
Gewitterfront.
Das sind dann Momente, wo man mit der Lo100 herumturnen kann ohne an
Höhe
zu verlieren und die Leichtwindsegler längst eingepackt sind.
Allerdings
muß man mitunter einen Regenschauer in Kauf nehmen können,
denn weit
ist der Weg zurück zum Parkplatz, so weit, so weit!
Anschließend trifft sich alles was geflogen hat bei Helga
und
Gustav bei einem Radler oder..., und Mann/Frau erlebt den
Rhöngeist
in Natura und spricht über den Geist der Rhön, den schon die
Darmstädter Jungen 1911 entdeckten oder brachten sie ihn mit? Auf
jeden Fall ist er auch heute noch vorhanden und wir sollten bei einem
Besuch
in der Röhn, wo alles einmal anfing dazu beitragen, dass er uns
weiterhin
erhalten bleibt.
Darauf sollte bei einem Nachbau eines solch aussergewöhnlichen Modells geachtet werden.
Bedingt durch die enorme Flächentiefe und die geringe Streckung ergibt sich ein relativ großer Abwindfaktor, der durch das tiefliegende Höhenleitwerk etwas größer ist als bei den allgemeinen Modellen. Dieser bewirkt eine geringe negative EWD. Zumindest 0°. Bei meinen Lo's und deren verwendeten Profilen liegt sie bei etwa -0,25°. Der Vorteil des tiefliegenden HLW ist, dass bei Rückenlage keine Tiefe zugesteuert werden braucht (HLW liegt oberhalb der Fläche). Was für die ersten Momente etwas ungewöhnlich ist, doch man kann sich daran gewöhnen, da die Lo, bedingt durch die Größe und Gewicht sehr ruhig fliegen lässt. Dann ist ein starker Effekt bei der Querruderwölbung vorhanden, fast wie bei einem Nurflügler, was mit der gerigen Streckung, der großen Flächentiefe und vor allem den relativ großen Querrudern zusammen hängt. Die Klappen selbst haben eine geringe Tiefe und haben kaum eine bemerkbare Wirkung, sodass ich sie mit den Querrudern zusammen steuere.
Siehe auch hier!
Für Einsteiger und Jugendliche noch folgender Tipp.
Bei meinen Eigenkonstruktionen hat mir unter anderen das
Fachbuch "MTB4
- Konstruktion von RC-Segelflugmodellen --- von
Dietrich
Bertermann" gute Dienste geleistet,
zumal
dort der funktionelle Zusammenhang aller Berechnungen und Momente gut
erklärt
wird, auch die Perseke Bücher sind dafür sehr gut, aber
leider nicht mehr erhältlich.
Daten Original:
Spannweite:
10,00 m
Rumpflänge:
6,15 m
Fluggewicht:
250,00 kg
Flächenbelastung:
22,50 kg/m²
Daten Modell:
Spannweite:
3,33 m
Rumpflänge:
2,05 m
Fluggewicht:
8,70 kg
Flächenbelastung: 62,00
g/dm²